Rennbob-Geschichte

AM ANFANG WAREN EIN ENGLÄNDER, EINE IDEE UND ZWEI SKELETON-SCHLITTEN

SO WIE DER LÖWE DER KÖNIG DER TIERE IST, SO IST ES AUCH DER BOBSPORT IM SCHLITTENBEREICH: IM LAUFE DER JAHRE HAT SICH DAS BOBFAHREN ZUR KÖNIGSDISZIPLIN DES SCHLITTENSPORTS ENTWICKELT.

Highspeed, Entscheidungen im Tausendstelbereich und technisch hochentwickeltes Equipment: Der Bobsport von heute ist ein High End Produkt und ein perfektes Zusammenspiel aus Kompromissen zwischen Technologie, Gewichtsersparnis und sportlichen Höchstleistungen.

WER HAT’S ERFUNDEN? – DIE SCHWEIZER

Wer genau? – Nicht die von Ricola: Zwar liegt der Ursprung des Bobsports in der Schweiz, dennoch war es der Engländer Wilson Smith, der 1888 den Begriff Bob prägte. Er kam auf die grandiose Idee zwei Schlitten durch ein Brett zu verbinden. Den vorderen verwendete er zum Lenken und da sich die beiden Schlitten trotz ihrer Verbindung hin und her bewegten, bezeichnete Smith das Gefährt als Bob („to bob“ engl. hin und her bewegen). Das Interessante daran war, dass es sich bei den aneinandergebastelten Untersätzen um Skeleton-Schlitten handelte. Aufgrund dieses Zusammenhangs sind der Bob- und Skeletonsport bis heute noch eng miteinander verbunden und tragen jetzt sogar gemeinsam ihre Weltmeisterschaft aus.

Später war es dann allerdings ein echter Schweizer, der den ersten richtigen Bobschlitten konstruierte. Christian Mathis entwarf ein hölzernes Gefährt mit stählernen Kufen. Weil der Schlitten für die bereits vorhandenen Skeletonbahnen zu schnell war, eröffnete man 1904 in St. Moritz die erste Bobbahn der Welt. Heute werden sowohl Skeleton-, als auch Rennrodelwettkämpfe in Bobbahnen ausgetragen. Immer noch bestehen die Bobs aus zwei Teilen, genauer gesagt aus zwei tragenden Stahlrahmen, die über ein Verbindungselement miteinander verbunden sind.

INTERNATIONALE WETTKÄMPFE UND OLYMPIA

Der erste Bob-Club wurde 1897 in St. Moritz in der Schweiz gegründet. Damit begann sich der Bobsport in den Wintersportgebieten Europas auszubreiten. Nach dem Anfang des 20. Jahrhunderts wurden auch in Deutschland die ersten Bob-Wettkämpfe ausgetragen und 1911 wurde der erste deutsche Bob- und Schlittenverband ins Leben gerufen. Zu den bei weitem erfolgreichsten Bobsport-Nationen zählen die Schweiz und Deutschland. 1923 folgte dann die Gründung eines internationalen Bobschlitten und Skeleton Verbandes (FIBT) und damit war die Grundvoraussetzung für internationale Wettkämpfe geschaffen. 1924 begann die Geschichte der Weltmeisterschaften und der olympischen Bobwettbewerbe. Bei den ersten Winterspielen im französischen Chamonix wurden Rennen im Viererbob und Fünferbob ausgetragen. Seit den Olympischen Spielen 1932 in Lake Placid werden die Medaillen sowohl an Vierer- als auch in Zweierbesetzung vergeben. Bei den Weltmeisterschaften war die Entwicklung ähnlich. Zwar wurde anfangs nur im Viererbob gestartet und auch lediglich ein Rennen ausgefahren, doch durften ab 1931 auch Bobs in Zweierbesatzung in den Eiskanal.

Wie so oft im Leben, wähnte sich die Männerwelt über Jahrzehnte in dem Glauben, sie könnten vieles besser als das „schwache Geschlecht“ – und so sei Bobfahren ein Männersport. Heute muss „Mann“ neidlos eingestehen: Die Damen können das sehr gut. Doch die Damenwelt hat sich das Bobfahren zuerst hart zurück erkämpfen müssen. In den Anfängen des Bobsports um 1888 fuhren bereits Frauen, teilweise zu fünft in einem Bob. Laut Schweizer Bobarchiv fanden vom 30. Dezember 1909 bis zum 2. Januar 1910 in Gossensaß auf einer 1600 Meter langen Bobbahn Bobveranstaltungen statt, an denen auch Frauen teilnahmen. Es gab auch reine Damenteams. Doch beim Gründungskongress der FIBT im Jahre 1923 in Paris, beschlossen die Delegierten – übrigens alles Männer – die Damen von den Meisterschaften prinzipiell auszuschließen. Auf den Kongressen danach wurde diese Entscheidung von der männderdominierten Bobwelt bestätigt und der Damenbobsport war kein Thema mehr. Erst 1995 schuf die FIBT, nach verschiedenen Verstößen einzelner Nationen, dann wieder Veranstaltungen für Frauen im Bob. Damit war der Grundstein für die Entwicklung einer aufstrebenden Sportart zur olympischen Disziplin gelegt, mit dem Effekt einer verbesserten Auslastung der Bobbahnen dieser Welt. Die Frauen fahren allerdings erst seit 2000 wieder bei Bob-Weltmeisterschaften mit. Bis die Frauen einen Startplatz bei Olympia erhielten, dauerte es bis 2002. In Salt Lake City gingen Frauen erstmals im Zweierbob in den Kanal. Im Herbst 2014 entschied die FIBT, für den Viererbob zukünftig auch Mixed-Teams zuzulassen. Es wurde aber kein neuer Wettbewerb eingeführt, sondern es steht den Viererbob-Teams lediglich frei, beiderlei Geschlecht in einen Schlitten ins Rennen zu schicken.

EINER FÜR ALLE UND FÜR ALLE DAS GLEICHE!

Um den Bobsport in gelenkte Bahnen zu leiten und das körperliche Können in den Vordergrund zu stellen, wurden im Laufe der Zeit Regeln ausgearbeitet und modifiziert, damit unten den Sportlern annähernd gleiche Vorraussetzungen bei der Ausrüstung herrschten. Aufgrund regelmäßiger Stürze wurde 1933 die Helmpflicht eingeführt, zusätzlich wurde eine Unter- und Obergrenze für das Gewicht der Schlitten inklusive der Fahrer festgelegt. Zweierbobs der Herren dürfen zwischen 170 und 390 Kilogramm wiegen. Bei den Frauen liegt die Obergrenze bei 340 kg. Der Viererbob muss mit Besatzung ein Gewicht zwischen 210 und 630 kg auf die Waage bringen. Auch die Ausmaße der Schlitten wurde reglementiert: Die Bobs dürfen nicht breiter als 67 Zentimeter und länger als 270 Zentimeter (Zweierbob) beziehungsweise 380 Zentimeter (Viererbob) sein. Mit den sportlicheren Mannschaften gingen auch modernere Bobs und Bahnen einher. Heute trainieren die Top-Mannschaften der Welt das ganze Jahr über. Wettkämpfe werden zumeist auf Kunsteisbahnen unter Einsatz von technisch hochentwickelten Bobs aus Glasfaser oder die neuen Bobs aus Carbon ausgetragen. Einzig in St. Moritz (SUI) wird noch auf einer Natureisbahn gefahren.

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